Westdeutsche Zeitung online, 22. November 2002

"Stadtflucht wird gefördert"
BUND übt scharfe Kritik am Entwurf des Flächennutzungsplans

Krefeld. "Unser Wunsch ist ein wohnensund lebenswertes Krefeld", sagt Beatrix Mersmann vom Krefelder Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Im neuen Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt Krefeld sollten laut BUND daher nicht nur städtebauliche Belange und Wünsche von Investoren, sondern auch ökologische Aspekte berücksichtigt werden. In der Geschäftsstelle an der Hubertusstraße wurde am Donnerstagabend über den aktuellen Planungsstand diskutiert.

"Quo vadis Krefeld? Zerstört der Flächennutzungsplan die Stadt?", so lautete die bewusst provokant gehaltene Überschrift der Einladung zum Gesprächsabend. Das Thema sei derzeit im Vergleich zu wichtigen bundespolitischen Angelegenheiten vielleicht nicht so brisant, stellte der Vorsitzende Axel Heimendahl mit Blick auf die leeren Stühle im BUND-Büro fest. Aus Sicht der Naturschützer steht Krefeld aber vor einem Scheideweg.

In einem vierseitigen Papier nimmt die Kreisgruppe Krefeld Stellung zu rund 20 Punkten des neuen FNP-Entwurfs, die aus ihrer Sicht kritisch sind. Unter anderem geht es um Straßenbauvorhaben wie die Westtangente ("Dadurch wird die Stadtflucht nur noch weiter gefördert"), neue Baugebiete im Fischelner Südwesten oder nördlich der Montessorischule sowie um geplante Parkplätze, Gewerbeund Industriegebiete, die Auswirkungen auf den Landschaftsplan haben. Anstatt immer mehr Flächen auf der "grünen Wiese" zu versiegeln solle die Stadt darüber nachdenken, wie sie brachliegende Grundstücke im Zentrum vermarkten kann.

"Wichtig sind zum Beispiel grüne Zungen, die in die Stadt hereinreichen. Das Stadtklima wird schlecht, wenn die Stadt immer breiter wird", betonte Mersmann. Wünschenswert ist aus Sicht des BUND ein Konzept, in dem die Entwicklungsperspektiven der Gesamtstadt für die nächsten Jahrzehnte festgesetzt werden. Etliche kleine Änderungen im FNP-Entwurf erweckten bei Heimendahl aber "den Eindruck, dass sehr viel Klientelwirtschaft betrieben wurde.

Wir können nur vermuten, dass einige Leute sehr schnell ihre eigenen Interessen ins Spiel gebracht haben. Dass Politik und Verwaltung da zugestimmt haben, ist bedenklich". Der Zeitplan sieht vor, dass der neue Flächennutzungsplan 2004 wirksam wird. Der BUND spricht sich dafür aus, die Planungen auf dem aktuellen Stand anzuhalten. Heimendahl: "Wir planen jetzt schon, anstatt zu warten, bis (voraussichtlich 2003) das Klimagutachten auf dem Tisch liegt."

Von Carsten Icks