Fachbüro legte Wirtschaftlichkeitsstudie vor
 

"Viersener Kurve" bringt dem Kreis keinen Vorteil

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VIERSEN (RP). Die Chancen für den Bau der so genannten "Viersener Kurve", die in der Kreisstadt ein Gleisdreieck schaffen würde, sind gleich Null. Die Aachener Ingenieursgruppe IVV legte jetzt dem Planungsausschuss des Kreistages ein Gutachten zur Wirtschaftlichkeit vor. Die Grundlagen der Untersuchung sind allerdings bereits überholt oder bis zum Jahr 2010 nicht zu verwirklichen.

Fritz Meies (CDU) und Günter Thönnessen (SPD) forderten die Kreisverwaltung auf, noch in diesem Jahr eine entscheidungsreife Vorlage zu liefern. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass die Politiker die "Viersener Kurve" ablehnen werden, denn außer Transitverkehr bringt sie dem Kreis nichts ein.

Die Entwicklungen haben den Auftrag für das Aachener Büro IVV längst überholt. Hans Königs präsentierte eine Untersuchung, die davon ausgeht, dass die Bahnstrecke von Kaldenkirchen bis Dülken im Jahr 2010 komplett zweigleisig ausgebaut ist. Außerdem wurde erwartet, dass Trade Port Venlo an die "Brabant-Route", die Bahnverbindung von Eindhoven über Venlo und Viersen nach Köln, angeschlossen wird. Niemand rechnet damit, dass die Zweigleisigkeit bis 2010 Wirklichkeit ist, und in Venlo wird der Bau eines neuen Güterbahnhofs im Norden geplant. Ziel: Bau einer neuen Bahnstrecke entlang der Autobahn nach Duisburg.

Ministerin geschickt ?

Über aktuelle Entwicklungen wirkte Königs nur rudimentär informiert. So lobte er das angebliche Verhandlungsgeschick der niederländischen Verkehrsministerin Tineke Netelenbos, die die Autobahn-Variante auf Kosten der Provinzen Nordbrabant und Limburg untersuchen lasse. In Wahrheit hat das Haager Parlament die widerstrebende Ministerin jetzt dazu gezwungen.

Die Ministerin hat mit ihrer für Raumordnung zuständigen Kollegin Pronk am 26. Januar dem Parlament versichert, die Zusatzstudie werde den Zeitplan des Prüfverfahrens zum "Eisernen Rhein" nicht beeinträchtigen. Königs erzählte auf Befragen dem Planungsausschuss anderes und berichtete auch, das Landes-Verkehrsministerium sei nicht bereit, die Kosten der Autobahn-Untersuchung mitzutragen. Das Ministerium hatte unlängst auf Befragen der RP Gegenteiliges versichert. Ausschussmitglied Marcus Optendrenk (CDU) fragte Königs zweimal, ob die Ministerin dem Parlament zur Zeitplanung die Unwahrheit sage. Königs bejahte das.

Er präsentierte die Berechnungen für zwei Varianten, wie Züge aus Richtung Venlo in Viersen nach Krefeld/Duisburg oder Neuss kommen können. Die Verbindung auf der Regio-Trasse nach Kaarst, mit Tunnel unter Willich (Neersener Kreuz) kostete 241,5 Millionen Mark und brächte von Antwerpen aus keinen zusätzlichen Güterverkehr auf die Schiene. Außerdem bräuchte ein Zug 45 Minuten länger als in der zweiten Variante.

Diese Variante wäre die zweigleisige Kurve durch Rahser. Ein Schienenstrang führte auf einem Damm ziemlich haarscharf an der Gesamtschule vorbei, der andere müsste eingebuddelt werden und die Sittarder Straße untertunneln. Kosten: 134 Millionen Mark. Der Nutzen-Kosten-Faktor, um in die Neuauflage des Bundesverkehrswege-Plans hineinzurutschen, wäre auch nach Königs` Eingeständnis sehr zweifelhaft.

Unternehmen erwarten nichts

Hans Königs hatte Unternehmen im Kreis Viersen befragt, welche Impulse sie von der Bahnverbindung aus Antwerpen für sich erwarten. Ergebnis: Es gibt kein einziges Unternehmen, das "einen sichtbaren positiven Effekt" erwartet. So bliebe nur "die Last neuen Durchgangsverkehrs zu ertragen". | 2. Lokalseite: Meinung

Von LUDGER PETERS