Aachener Zeitung, Erkelenz, Online, 09.04.2001
 

Studie für Tunnel im Naturschutzgebiet «De Meinweg»
 

Wegberg/Roermond. Die Entscheidungen für die Reaktivierung der historischen Güterstrecke «Eiserner Rhein» gehen in die entscheidende Phase. Mitte Mai soll in den Niederlanden eine Studie vorgelegt werden, welche die positiven und negativen Faktoren einer Wiederbelebung untersucht hat.

Auf die Ankündigung, dass sich die Verkehrsminister aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland auf die Öffnung der Trasse im September 2002 geeinigt hätten, reagiert der Wegberger Bürgerverein «Eiserner Rhein» gelassen.

«Wir lesen diese Meldung sehr gelassen. Die gleiche Ankündigung kam auch schon im vergangenen Jahr. Damals hieß es, die Züge würden im September 2001 fahren», erklärte Marc Künne, Vorsitzender des Bürgervereins «Eiserner Rhein», im Gespräch mit der Erkelenzer Volkszeitung.

Doch passiert ist nach Meinung des Bürgervereins bisher nichts. Dies zeige, dass die Befürworter der Bahnstrecke zwischen den Häfen Antwerpen und Duisburg noch nichts erreicht haben. «Wir warten das parlamentarische Verfahren Anfang Mai in den Niederlanden ab», so Künne, der hofft, auch einen Gesprächstermin mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement zu bekommen.

Eine etwas zweifelhafte Rolle spielt der Chef der Düsseldorfer Staatskanzlei, Georg Wilhelm Adamowitsch. Er sitzt sowohl im Vorstand der Duisburger Hafen AG als auch im Rat der Stadt Duisburg. «Eine Interessenvermischung ist nicht zu vermeiden», so Künne.

In den Niederlanden werden die Parlamentarier in Kürze unter anderem mit der Studie «Trajectnota» konfrontiert. Sie hat den Streckenverlauf in den Niederlanden untersucht. Nach Informationen der EVZ spricht sich die Studie für den Bau eines Tunnels durch das Naturschutzgebiet «De Meinweg» aus. Dies würde nach Ansicht der Experten bei Baubeginn zwar einen einmaligen Schaden für die Tier- und Pflanzenwelt zur Folge haben, aber später würde die Strecke, zum Beispiel beim Wildwechsel, nicht mehr stören.

Die Kosten von 500 Millionen Gulden soll die belgische Regierung übernehmen. Dieser Tunnelbau wurde auch schon in der «Alterra-Studie» der niederländischen Staatsbahn favorisiert. Einen Knackpunkt hätte der Bau des acht Kilometer langen Tunnels allerdings: Durch einen solchen Tunnel dürften keine Gefahrstoffe transportiert werden.

Sollte es zu dieser Lösung kommen, vermutet Künne, werde es in den Niederlanden zu mehreren Klagen kommen. «Die ganze Diskussion um eine Reaktivierung der Strecke ist teilweise haarsträubend», erklärte Künne.

Für die Industrie und auch für den Standort «Duisburg-Hafen» sei es besser, wenn eine ganz neue Strecke gebaut werde. «Die Deutsche Bahn AG geht davon aus, dass die historische Güterstrecke mit 43 Zügen täglich ausgelastet ist. Wir bezweifeln die Zahlen sehr. Eine geringere Zahl von Gütertransporten ist wohl richtig.»

Der Vorsitzende des Bürgervereins bestätigte auch Aussagen, dass weiterhin Grundstücke an der Strecke von der Deutschen Bahn AG verkauft würden. «Die Grundstücke werden als so genanntes Bau-Erwartungsland angeboten. In Dalheim zum Beispiel mit einem Grundstückspreis von 180 Mark pro Quadratmeter», erklärte Künne.

Thomas Wenkert, 09.04.2001 23:24

 
 
 
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