Aachener Zeitung, Erkelenz, Online, 12.02.2001:
«Frage nach bürgerlichem Ungehorsam stellt sich»
 

Arsbeck. Ein großes Lob zollte Helmut Knie dem Vorstand des Bürgervereins «Eiserner Rhein» bei der Mitgliederversammlung in Haus Stumm in Arsbeck. Am Vorstandstisch säßen inzwischen mittlerweile lauter Experten, die Politikern aller Ebenen Paroli bieten könnten.

Im Gegensatz dazu habe die Stadt Wegberg kaum Ahnung von dem Thema, so Knie. «Diese Bürger von Wegberg sind aus dem Nichts heraus bedeutend für die Stadt geworden.» Die Zufriedenheit der Mitglieder mit dem Vorstand drückte sich auch im Votum aus: Einstimmig wurde der Vereinsspitze Entlastung erteilt.

Pressesprecher Dr. Günter Arnolds sparte nicht mit Lob für den Vorsitzenden Marc Oliver Künne. «Was er geleistet hat, ist weit über das Maß dessen hinaus gegangen, was ein Vorsitzender normalerweise tut.» Arnolds stellte die Frage nach der Zukunft des Vereins. Das Jahr 2001 werde wohl das Jahr der Entscheidungen werden.

Wenn sich tatsächlich abzeichne, dass die historische Trasse wieder in Betrieb genommen werde, müsse man über weitere Schritte des Widerstands nachdenken. «Dabei stellt sich die Frage nach dem «bürgerlichen Ungehorsam», so Arnolds. In den Niederlanden, in denen ebenfalls viele Bürger aktiv gegen die Wiederbelebung der historischen Trasse kämpfen, sei diese Frage ebenfalls in der Diskussion.

Mit Blick auf Belgien stellte Künne derweil fest, dass der Widerstand dort nicht so stark wie in Deutschland und den Niederladen sei. Dabei drohe der «Eiserne Rhein» den Graben zwischen Flamen und Wallonen noch zu vertiefen. Allerdings gebe es in Verviers Bürgerinitiativen, die eine Streckenführung wie bisher - über Montzen - befürworteten.

Auch in diesem Jahr wird der Bürgerverein seine Arbeit fortsetzen. Nächster Termin ist zunächst der Besuch des Kölner Regierungspräsidenten Jürgen Roters am 16. März. Man werde versuchen, den Staatssekretär im Landesumweltministerium, Hennerkes, erneut nach Wegberg einzuladen. Außerdem erwarte man die Antwort der EU-Kommission auf eine Anfrage dreier Parlamentarier, die sich die Strecke angesehen und dabei festgestellt hätten, dass sie nicht tauglich sei für eine Wiedernutzung.

Besonders stolz ist der Bürgerverein auf seinen «Coup» mit dem so genannten Alterra-Report. Der war vom niederländischen Verkehrsministerium und der niederländischen Bahngesellschaft NS Infrabeheer in Auftrag gegeben, aber nicht veröffentlicht worden. Der Grund: Im Ergebnis kamen die Gutachter zu dem Schluss, dass die Umweltschäden durch die Wiedernutzung der historischen Trasse so groß seien, dass sie nicht repariert werden könnten.

Da das Ergebnis nicht genehm gewesen sei, habe man ein Gegengutachten in Auftrag gegeben. Beide Gutachten will der Bürgerverein nun veröffentlichen. Zunächst heißt es aber weiter abwarten, denn erst wenn die Niederlanden eine Entscheidung über den Streckenverlauf auf ihrem Staatsgebiet getroffen haben, wird auch in Deutschland eine Entscheidung fallen. Vor September ist damit nicht zu rechnen.

(hhs), 11.02.2001 16:54



Rheinische Post, Erkelenz, Online, 12.02.2001:
Bürgerverein "Eiserner Rhein" will nicht abwarten und die Hände in den Schoß legen
 

Auch mal "Ungehorsamkeit der Bürger" bei Aktionen

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WEGBERG (RP). Voller Hoffnung blickt der Bürgerverein "Eiserner Rhein" aufs Jahr 2001. Voller Hoffnung darauf, "den Verein bis Jahresende auflösen und das Guthaben wohltätigen Zwecken zur Verfügung stellen zu können", wie Vorsitzender Marc Oliver Künne in der Jahresversammlung am Freitagabend im Arsbecker Haus Stumm sagte. Die Hoffnung resultiert aus der Ankündigung der niederländischen Verkehrsministerin Netelenbos, in das Untersuchungsverfahren für die Güterstrecke auch eine Trasse entlang der Autobahn von Antwerpen über Eindhoven/Venlo (E 43/A 67) nach Krefeld/Duisburg (A 40) einzubeziehen.

Diese Untersuchung soll, wie die RP berichtete, bis September laufen. Allerdings geht es dabei um langfristigen Güterverkehr -, und da der Bau dieser Strecke etwa 15 Jahre dauern dürfte, gesellt sich zu der Hoffnung gleichzeitig die Befürchtung, dass bis dahin die Güterzüge über die historische Trasse rollen. "Für diesen Fall dürfte es Klagen der niederländischen Umweltschützer, der Stadt Roermond und eventuell von Wegberg geben", erläuterte Künne, der allerdings auch berichtete, dass Belgien unter Hinweis auf den Vertrag von 1839 Klage angekündigt habe, falls die historische Trasse abgelehnt werde.

"Deshalb sind wir in der frustrierenden Situation, abwarten zu müssen", so der Vorsitzende.

Enttäuscht: fehlende Reaktionen

Allerdings will der Bürgerverein dabei die Hände nicht in den Schoß legen, waren sich die 37 Mitglieder (von derzeit 121) einig, und auch in diesem Jahr mit Aktionen auf die Problematik aufmerksam machen. Wie im vergangenen Jahr, in dem es eine Menge Aktionen gab, wie dem Tätigkeitsbericht von Marc Oliver Künne zu entnehmen war: von mehreren Informationsveranstaltungen und Protestkundgebungen bis hin zu Gesprächen (z. B. mit Staatssekretär Hennerkes vom NRW-Verkehrsministerium und den Europabageordneten im Grenzland, die inzwischen auch eine Anfrage an die EU-Kommission gerichtet haben). Künne lobte vor allem die Aktivitäten auf niederländischer Seite (wie berichtet: Alterra-Report über irreparable Umweltschäden, Protest-CD und -Video, Roermonder Mieter-Protest), an denen häufig Vertreter des Wegberger Bürgervereins teilgenommen haben. Entäuscht zeigte er sich dagegen über immer noch fehlende Reaktionen auf Schreiben beispielsweise an Bundesverkehrsminister Bodewig, NRW-Verkehrsminister Schwanhold und das Eisenbahn-Bundesamt.

Hier werde man nochmal nachhaken, versicherte Künne und wies gleichzeitig auf ein Gespräch des Bürgervereins am 16. März bei Regierungspräsident Roters hin. Er bat die Mitglieder ferner, noch Vorschläge für weitere Aktionen zu unterbreiten. Gerd Padtberg nannte spontan einen "Volkswandertag auf der Strecke".

In Holland mehr Unterstützung

In dem Zusammenhang meinte Hartmut Knie, man soll ruhig einmal "Ungehorsamkeit der Bürger zeigen, denn die gehört auch zur Demokratie", nachdem Leo de Nies hervorgehoben hatte, dass man in Deutschland - im Gegensatz zu den Niederlanden - viel zu ruhig sei. Auch würden die Bürger in den Niederlanden bei ihren Protesten von den Städten und öffentlichen Institutionen, z. B. der Industrie- und Handelskammer (Kamer van Koophandel en Fabrieken) , sogar finanziell unterstützt. Jedenfalls war man sich einig, weitere Aktionen zu planen und auch "Menschen zu sensibilisieren, die nicht unmittelbar an der Strecke wohnen", wie Rudi Hachen vorschlug. Übrigens: Für den Vorstand, der einstimmig entlastet wurde, gab es ausnahmslos Beifall, da er im vergangenben Jahr enorme Arbeit geleistet hat.

Von FOLKMAR PIETSCH