Niederländisches Gutachten zum Eisernen Rhein:
 

Keine Alternative zur alten Trasse (Webredaktion: aber Umbau)

--------------------------------------------------------------------------------

KREIS VIERSEN (RP). Zur zeitweiligen Öffnung der historischen Trasse des Eisernen Rheins gibt es keine Alternative. Mehr noch: Die historische Trasse verursacht für Natur und Landschaft, Wohn- und Lebensqualität sowie hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit die geringsten Belastungen. Das ist nicht nur das Ergebnis der gestern vorgestellten Umweltverträglichkeitsprüfung für den niederländischen Abschnitt.

Denn gleichzeitig wurde nun auch der Abschlussbericht für die internationale Trassenuntersuchung vorgelegt. Und der kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Die historische Trasse oder ihre Varianten mit einem Tunnel oder einer kurzen Umgehung des Meinwegs erhalten den Vorzug vor allen anderen .

Zwischen den Untersuchungen der Niederländer und dem internationalen Gutachten gibt es in der Bewertung nur einen gravierenden Unterschied. Die Niederländer halten die mit etwa 500 Millionen Mark Baukosten errechnete Nordumgehung (A1 n) von Roermond für die wirtschaftlichste und für den Menschen erträglichste. Sie führt in Deutschland an der A 52/B 230 entlang bis zum RAF-Flughafen Elmpt und dort auf die vorhandene Strecke durch den Wald nach Arsbeck/Wegberg.

Dagegen bevorzugt die internationale Studie die historische Trasse und ihre unmittelbaren Nachbarvarianten. Das sind ein Tunnel unter den Meinweg sowie kurze Nord- und Südumgehungen. Sie alle führen auf deutschem Gebiet bei Dalheim auf die historische Strecke nach Wegberg, Mönchengladbach, Viersen, Krefeld und Duisburg.

Alte Trasse ab 2002 ?

So lange keine Entscheidung über den endgültigen Verlauf von Antwerpen ins Ruhrgebiet getroffen ist, sehen die niederländischen Gutachter absolut keine Alternative zur zeitlich befristeten Öffnung der historischen Trasse ab 2002. Täglich sollen dort in dieser Übergangszeit 15 Zugpaare verkehren. Vertreter von Rijkswaterstaat und Railinfrabeheer ließen sich gestern in Roermond aber nicht auf einen bestimmten Zeitraum festnageln.

Sie sprechen von "etwa fünf Jahren". Gleichzeitig räumten sie ein, dass ihre nationale Studie deutsche Belange nicht berücksichtigt. In die niederländische Prüfung wurde auch nicht die Sanierung und Optimierung der heutigen Hauptroute von Antwerpen über Montzen/Aachen nach Duisburg einbezogen.

Die internationale Studie setzt die derzeit viel diskutierte Variante, von Antwerpen über Eindhoven und Venlo nach Duisburg eine neue Strecke an der Autobahn zu bauen, auf den letzten Platz. Landschaftsverbrauch und Kosten erscheinen den Gutachtern im Vergleich zu allen anderen Varianten zu hoch. Interessant ist, dass das internationale Gutachten die über Eindhoven/Venlo führende Brabantroute mit den Strecken über Roermond und Wegberg gleich setzt: Sie bedingt den Ausbau der Viersener Kurve, der in Stadt und Kreis Viersen jedoch kategorisch abgelehnt wird.

Das Ergebnis der internationalen Studie bildet zunächst die Grundlage für weitere Überlegungen auf jeweils nationaler Ebene. Die gerade von den Städten und Kreisen Mönchengladbach, Krefeld, Viersen und Wegberg mit Venlo gemeinsam erhobene Forderung, die Autobahn-Variante über Venlo nach Duisburg ernsthaft zu überprüfen, ist also weder bei der Landesregierung noch im Bundesverkehrsministerium vom Tisch.

Heute Information in Roermond

Die Niederländer stellen ihre Studie heute in Roermond (Oranjerie) und am Mittwoch in Venlo (Maas-poort) in Einzelveranstaltungen vor. Der Verlauf ist identisch: Ab 18 Uhr beantworten Fachleute Fragen, um 19.30 Uhr findet die zentrale Präsentation statt.

Von LUDGER PETERS