Staatssekretärin Angelika Mertens sprach in Kempen zum Eisernen Rhein
 

A 40-Variante in Berlin kein Thema

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KREIS VIERSEN (RP). Die kommunalpolitische Offensive der SPD für das Wahljahr 2004 kommt nur stotternd in Gang. Im Forum des Kempener Luise-von-Duisberg-Gymnasiums bereitete Angelika Mertens (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, den Genossen zum Auftakt der Kampagne eine herbe Enttäuschung: Eingezwängt zwischen Terminen, hielt sie ein langes Referat über allgemeine Verkehrsfragen. Da, wo es dann konkret wurde, gab es lange Gesichter. Die von der Kreis-SPD geforderte Alternative des Eisernen Rheins entlang der A 40 von Venlo nach Duisburg spielt in Berlin keine Rolle. Und andere "Neuheiten" waren keine.

"Das war ja völlig vertane Zeit", ärgerte sich ein Zuhörer aus Krefeld, wo Bürger vehement die Inbetriebnahme der alten Trasse des Eisernen Rheins bekämpfen. Bedröppelt schauten viele SPD-Mitglieder drein. Da hatte Bundestagsabgeordneter Walter Schöler die Position des Unterbezirks Viersen so erläutert: "Wir wollen angesichts des Strukturwandels am Niederrhein auch von einer neuen Infrastruktur partizipieren - nicht nur die Lasten tragen.

"Deshalb mache die SPD den Vorschlag, "der beide Punkte miteinander verbindet: Eine Trasse des Eisernen Rheins, durchgehend von Venlo bis Duisburg, nördlich der A 40." Kempen dürfe dabei nicht zusätzlich belastet werden. Die SPD lehne ausdrücklich sowohl die Viersener Kurve als auch die Trasse durch Willich-Wekeln ab.

Investitionen zu hoch

Frau Wegener sorgte anschließend für die kalte Dusche: "Wir sehen allerdings keine Veranlassung, auf deutschem Gebiet eine autobahnnahe Trasse entlang der A 40 zu untersuchen, da die Investitionen für eine Neubaustrecke ein Vielfaches der Kosten für den Ausbau vorhandener Strecken betrügen."

Das löste beim Hauptgeschäftsführer der IHK, Dr. Dieter Porschen helle Freude aus. Nur die Aktivierung der alten Trasse und der Ausbau der Viersener Kurve könnten das Anwachsen des Lkw-Verkehrs abmildern, stellte er fest. Hans Erich Staake, Geschäftsführer der Duisburger Hafen AG, hieb in die gleiche Kerbe: Zwar erwarte Duisburg bestenfalls täglich drei Züge von Antwerpen her, aber ohne Reaktivierung der alten Strecke werde der Ausbau des Logistik-Zentrums Duisburg zur Investitionsruine: "Wenn wir es jetzt nicht schaffen, schaffen wir es nie mehr", sagte er.

Konsterniert versuchte Günter Thönnessen (SPD Viersen) gegenzusteuern. Es gebe auch Interessen der Anwohner. Nie und nimmer wolle er die Viersener Kurve mit zehn Meter hohen Betonwänden im Stadtkern zulassen, kündigte Thönnessen an. Joachim Nötting, Chef der Kreistagsfraktion, warnte vor Fehleinschätzungen: "Den Verkehr machen nicht Parlamentarier und Minister, sondern die verladende Wirtschaft".

Gegen Erwartungshaltung

Angelika Mertens spürte erst hier, dass sie völlig gegen die Erwartungshaltung ihrer Parteifreunde angesprochen hatte. An Schöler gewandt, meinte sie, es gebe "sicherlich Abstimmungsbedarf", aber der Neubau einer Bahnstrecke werde 20 bis 30 Jahre (10 Jahre, maximal 15 Jahre und alles wäre fertig, Einschätzung der Webredaktion)  in Anspruch nehmen.

Von LUDGER PETERS