Unverändert übernommener Leserbrief, weil es Zeit wird, den Ton zu ändern.

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den Ausgaben der Rheinischen Post/Erkelenzer Zeitung vom 16.03.2001 und 19.03.2001 wird in Ihrer Zeitung über die diversen politischen Aktivitäten im Bezug zum Eisernen Rhein berichtet. Wir danken Ihnen für die ausführliche Berichterstattung und möchten unsererseits in Form eines Leserbriefes auf die verschiedenen zitierten Positionen u. a. der Herren Büssow, Dr. Porschen und Staake sowie die der Staatsekräterin Frau Mertens eingehen.
Wir bitten um die freundliche Berücksichtigung und zeitnahe Veröffentlichung dieses Leserbriefes.

Mit freundlichen Grüßen
 

Dr. Günter Arnolds
Pressesprecher
 

Marc Oliver Künne
Vorsitzender
 



Eiserner Rhein
Arroganz der Macht     

Es stimmt nachdenklich wenn Herr Büssow – seines Zeichens Regierungspräsident in Düsseldorf – die Gelegenheit nutzt und bei einem Arbeitsbesuch in Roermond konstruktive Vorschläge zum Schutz der dort lebenden Menschen (südliche Umgehung der Wohngebiete) und der dort vorhandenen Naturschutzgebiete (Untertunnelung des „Meinweg“-Gebietes) macht.
Bedenklich ist es jedoch, daß der Regierungspräsident Gedanken zum Schutz von Mensch und Natur auf deutscher Seite bisher gänzlich vermissen lässt.
Die bestehende Auslegung des deutschen Rechts scheint ein wilkommenes Argument zu sein, sich um berechtigte Schutzinteressen
der Bevölkerung diesseits der deutsch-niederländischen Grenze hinwegzusetzen.

Diese Auslegung erlaubt es angeblich, daß von einem auf den anderen Tag Lärmpegel von 95db in Wohngebiete getragen werden, in denen ansonsten eine Maximalbelastung von 54 db verordnet ist. Sind Bundesbürger – Mönchengladbacher, Krefelder, Viersener und Wegberger – eigentlich Menschen zweiter Klasse?

Auch stimmt es nachdenklich, wenn die von vielen Seiten als die einzig zukunftstaugliche Trasse  – der parallel zur A40  verlaufende Neubau – angesehene und geforderte lösung in Berlin angeblich keine Rolle spielt.
Bedenklich wird es jedoch dann, wenn die Staatssekretärin Frau Mertens auf Nachfrage diese angeblich bisher nicht berücksichtigte Variante als  sicherlich abstimmungsbedürftig bezeichnet, nachdem ihr wohl bewusst wurde, daß das Auditorium – gerade auch aus den Reihen der Viersener SPD –  eine andere Erwartung an das Bundesverkehrsministerium hatte.
Für wie glaubwürdig hält sich das Bundesverkehrsministerium, wenn anhand eines solchen Diskussionsverlaufes deutlich wird, daß die Entscheidung für eine zukünftige Trassenführung des „Eisernen Rhein“ für Bundesdeutsche Politiker schon gefallen ist, obwohl anderenorts keine Möglichkeit ausgelassen wird, auf das in den Niederlanden noch schwebende – also angeblich ergebnisoffene –  Verfahren hinzuweisen?

Jegliche Logik lassen die Herren Porschen und Staake als Interessenvertreter der IHK und des Duisburger Hafens vermissen, wenn sie die sooft gewünschte Entlastung der Straßen ins Feld führen, im gleichen Atemzug jedoch die zu erwartenden Zugzahlen auf täglich drei herunterreden. Können drei Züge, die die Straßen um ca. 120 LKW täglich entlasteten, die projektierte Summe von mehreren hundert Milionen DM rechtfertigen, oder möchte man die Betroffenen Städte und Gemeinden nur mit Zahlenspielen verschaukeln?
Wütend macht aber schliesslich die Überheblichkeit, mit der Herr Staake das Szenario einer Investitionsruine für den Fall heraufbeschwört, daß die historische Trasse nicht reaktiviert wird. Sollte diese Trasse tatsächlich wieder in Betrieb genommen werden, so entstehen anderenorts Investitionsruinen in der Form, daß über Jahrzehnte erworbenes Eigentum massive Wertverluste erleidet und städtebauliche Ruinen in der Form, daß über Jahrzehnte entwickelte Strukturen mit Folgen für die örtliche Wirtschaft  zerstört werden.

Wie muss es um die fachliche Qualifikation von Wirtschafts - und Interssenvertretern bestellt sein, wenn Sie mehrere hundert Milionen teure Projekte wie den Logport planen, ohne von den tatsächliche Gegebenheiten – nämlich einer in Wegberg endenden Bahnstrecke – Kenntnis zu nehmen?
Müssen am Ende die Anlieger dieser Strecke für eine Fehlplanung mit Ihrer Gesundheit, ihren Steuern und der Einbuße ihres Vermögens bezahlen?

Wenn die Ergebnisse von internationalen Studien schon vorweggenommen werden, wenn die wirtschaftliche Einzelinteressen so über dem Schutzbedürfniss  vieler tausend betroffener Menschen stehen, wenn Planungsrecht nach Belieben ausgelegt wird, dann wird  die Arroganz der Macht deutlich sichtbar - sie sollte jedoch die Wut der vermeintlichen Ohnmacht nicht unterschätzen.