Besuch der Bezirksvertretung Krefeld-West in Roermond am 26. April 2001
Artikeln der Rheinischen Post Online, 27. April 2001:

Krefelder erfuhren gestern beim Besuch in Roermond: Gefahrgut-Transporte im Gespräch
Auch Gift auf dem "Eisernen Rhein"?

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(RP). Sie fuhren gestern zum Interessenabgleich mit Verbündeten im Kampf gegen den "Eisernen Rhein" ins niederländische Roermond, sie kehrten am Abend sehr ernüchtert zurück: Was die Bürgervereinssprecher und Politiker von Krefeld-West und -Ost bei den Nachbarn erfuhren und erlebten, waren eigentlich nur Horrorszenarien. Sehr wahrscheinlich werden demnächst noch erheblich mehr Güterzüge als gedacht durch die Krefelder Nächte donnern - und es könnten auch Gefahrgut-Transporte darunter sein.

Das verriet Roermonds Stadtplaner Gert Rutten den Krefelder Gästen "en passant": "Wir haben gehört, dass zusätzliche Züge aus Vlissingen eingesetzt werden könnten, die für alle Arten von Gütern zugelassen sind, also auch für Chemie und Problemmüll." Als ob die Seidenstadt davon nicht schon genug hätte!

Im Übrigen wurde den Krefeldern bestätigt, was viele bisher nicht so recht wahrhaben wollten: Zwischen Belgien, den Niederlanden und der Bundesrepublik Deutschland ist es auch nach Roermonder Erkenntnissen bereits weitgehend abgemachte Sache: Der "Eiserne Rhein" wird ab September 2002 für zunächst acht bis zehn Jahre von Antwerpen an Viersen vorbei und mitten durch Krefeld zum "Logport" in Duisburg-Rheinhausen mit 15 Güterzügen täglich (eher: nächtlich) "wiederbelebt".

Ist dann keine bessere Trasse gefunden - alternativ im Gespräch bleibt vor allem die von der Region Mittlerer Niederrhein geforderte Parallelstrecke zur Autobahn A 40 (Venlo-Kempen-Rheinhausen) -, solle die Verkehrsfrequenz von 15 auf 43 und später noch mehr Züge erhöht werden. Die niederländische Verkehrsministerin werde sich im September festlegen, sagte Rutten. Das Beschreiten des Klageweges hätte wohl keine aufschiebende Wirkung.

Alle 5 Minuten . . .

Dr. Günther Porst vom Bürgerverein Forstwald hat sich von einem Sachverständigenbüro schon mal durchrechnen lassen, was nach den "acht bis zehn Jahren" auf zirka 55 000 Krefelder (Forstwald, Benrad, Tackheide, Grönland, Lindental, Oppum, Linn, Uerdingen = 16 Kilometer) zukäme: Über "Eisernen Rhein" und Brabant-Linie (Rotterdam-Venlo-Krefeld) alle 24 Stunden 117 Güterzüge in jeder Richtung. Nicht gerechnet die Personenzüge. Porst: "Da würde dann alle fünf bis sechs Minuten ein Zug an uns vorbeirauschen." Eine Horrorvision, in der Tat.

Noch eins wurde im Roermonder "Stadthuis" deutlich: Auch dort regiert St. Florian. Bei allem Verständnis für die Krefelder Probleme geht es den werten Nachbarn letztlich nur um eine außerhalb des Städtchens verlaufende Alternative zum historischen "Eisernen Rhein", der mitten durch geschlagen wurde. Und um das Naturschutzgebiet "Meinweg". Alles andere mag kommen wie es wolle.

Für Krefeld wäre mit einer solchen Roermond-nahen Alternative nichts gewonnen - weil die Züge bei Brüggen oder Viersen auf die "eiserne Trasse" zurückgelenkt würden. Also wieder mitten hinein in die Seidenstadt.

Von JÖRG BASFELD

 


Meinung
 

Alarm!

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(RP). Ernüchterung und Enttäuschung sitzen tief, weil auch in Roermond niemand Hoffnung machen konnte: Geschieht kein Wunder, werden ab September 2002 die ersten Güterzüge über den reaktivierten "Eisernen Rhein" rollen, für den die Belgier bereits flammneue Loks gekauft haben. Angeblich zunächst nur für "acht bis zehn Jahre", weil dann eine bessere Trasse realisiert sein könnte: entlang der A 40.

Aber wo sollten die zwei Milliarden Mark dafür herkommen?! Politiker und Bürvereine müssen deshalb jetzt vor allem optimalen Lärmschutz einfordern. Und verhindern, dass tatsächlich Gefahrguttransporte auf die Krefelder Schiene geraten. Was der Roermonder Experte gestern anmerkte, muss zusätzlich größte Besorgnis auslösen. Alarm!

bas-



Neue Meinung:
Anm. der Webredaktion: Herr Basfeld sollte öfter diese Website lesen. Es ist blanker Unsinn, von Milliarden-Kosten zu reden, wenn die neue Trasse entlang der Autobahn gemeint ist. Zum Vergleich: Die ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln - Frankfurt - Wiesbaden, die mit Gebirgen, Flüssen und untertunnelten Müllbergen zu kämpfen hatte, kostete 10 Milliarden Mark. Sie ist über 200 km lang und davon sind 40 km untertunnelt.
So, Rechenkünstler voran!
Die Strecke Venlo - Rheinhausen ist 33 km lang. Wie immer man es dreht und wendet, über 660 Millionen würde sie niemals kosten.

Der Durchschnittspreis für eine normale Eisenbahnstrecke beträgt 10 Mio. / km.



Und was die Gefahrgüter angeht. Jeder belesene Denker wusste schon, dass die Bahnlinie die Güter transportiert, die auf dem Wasserweg nicht transportiert werden dürfen, also z.B. wasserlösliche Gifte. "Blättern" Sie mal wieder hier auf der Website.