Aachener Zeitung, Lokales, Erkelenz, 04.08.2000
 
«Eiserne Rhein» bedroht eines der letzten Natur-Paradiese
 

Wegberg. Verstehe einer die Deutschen - längst haben sie das Naturidyll «De Meinweg» direkt hinter der Grenze entdeckt. Aber nun sind sie offenbar entschlossen, es zu zerstören - mit der geplanten Bahntrasse «Eiserner Rhein».

Für viele Niederländer im Gebiet um Roermond sieht es jedenfalls aus, als sollten sie die Zeche zahlen für die Interessen ihrer östlichen Nachbarn. Der Grund ist, dass deutsche Politiker gemeinsam mit ihren belgischen Kollegen den «Eisernen Rhein» wiederbeleben wollen, jene historische Schienenverbindung für Gütertransporte zwischen dem Hafen Antwerpen und dem Niederrhein.

Die eingleisige Trasse und nicht elektrifizierte Stecke des «Ijzeren Rijn» durchschneidet den niederländischen Nationalpark De Meinweg. Anwohner und Naturschützer protestieren: «Nein zum Eisernen Rhein» heisst es auf Aufklebern diesseits und jenseits der Grenze. Die Menschen, die hier wohnen, wehren sich.

Sie fürchten Gefahren für sich und die Umwelt.«De Meinweg» könnte eine Ahnung von der Stille des Paradieses sein. Wäre da nicht das tiefe Grollen der Jet-Triebwerke vom nahen britischen Stützpunkt Brüggen im Elmpter Wald auf deutscher Seite. Die Engländer wollen in zwei Jahren Ruhe geben und abziehen. «Dann wird dieser Krach durch den Lärm der Güterzüge abgelöst. Nein, das wollen wir nicht». Robbert Ouwerkerk (29) vom Staatsbosbeheer, der niederländischen Forstverwaltung, befürchtet Schlimmes. Die Eisenbahn würde mit ihren schweren Loks eine dicke Dieselfahne hinter sich her ziehen und einen zwei Kilometer breiten Lärmkorridor entlang der Trasse in die Natur schneiden.

Dies würde all jene seltenen Tiere und Pflanzen bedrohen, die entlang der verwaisten Trasse einen Rückzugsraum gefunden haben. Ouwerkerk, der seit zwei Jahren als «Boswachter» im grünen Allradwagen durch den 1600 Hektar großen Park patrouilliert, sieht dann alle menschlichen Bemühungen zum Scheitern verurteilt, dieses einzigartige Stück Landschaft mit ihrem typischen Wechsel von Heide und Wald zu erhalten.

Seit 1991 ist die Bahn auf holländischer Seite stillgelegt. Auf deutscher Seite ist die Strecke für Personenzüge noch in Betrieb; sie enden an der Station Dalheim. Die Güter sollen im Versuchsbetrieb wieder auf der Schiene in Marsch gesetzt werden. Von 15 Zügen in beiden Richtungen pro Tag ist die Rede. Auf holländischer Seite schätzt man, dass es dabei nicht bleiben wird.



(Anmerkung der Redaktion: Immer wieder taucht diese viel zu niedrige Zahl auf. Dagegen kennt die zuständige niederländische Ministerin eine andere: Sie spricht von 43 Zügen!
Aantal treinen IJzeren Rijn al omhoog
MAASTRICHT Het aantal treinen dat van de toekomstige IJzeren Rijn gebruik gaat maken, is al verhoogd van maximaal 36 naar 43 per dag.

Dat blijkt uit een Nieuwsbrief van Rijkswaterstaat in Limburg. Het verhoogde aantal treinen is uitkomst van nader overleg tussen de ministers van Verkeer uit Duitsland, Nederland en België.
De Statenfractie van het CDA is bezorgd over deze ontwikkeling en heeft het college van Gedeputeerde Staten in schriftelijke vragen om opheldering gevraagd.Het CDA is bezorgd dat het treinverkeer via de IJzeren Rijn straks nog verder zal toenemen.

zaterdag, 27 mei 2000

© Dagblad De Limburger)



Bevor im frühen 19. Jahrhundert Napoleon durch das fast unbewohnte Gebiet mit dem Lineal eine Grenze zog, gehörte der Meinweg sechs Gemeinden auf holländischer und acht Dörfern auf deutscher Seite. Er wurde von den Menschen gemeinsam genutzt - zur Viehweide, zum Holzeinschlag, zur Torfgewinnung. Weil der Mensch mehr nahm, als er zurückgab, ließ er die Heide wachsen. Als die Ausbeutung nachließ, drängte der Wald wieder in den Vordergrund. Der Mensch half ihm dabei, indem er großflächig auf niederländischer Seite als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zur Zeit der Weltwirtschaftskrise Kiefern anpflanzte. Ihr Holz wurde gebraucht, um die Stollen der Kohlegruben im benachbarten Limburg abzustützen.

Heute stehen für den Staatsbosbeheer, dem zwei Drittel der Naturparkfläche gehören, weniger wirtschaftliche als ökologische Kriterien im Vordergrund. Die getrennten Heideflächen sollen wieder vernetzt werden. Im Wald soll die natürliche Artenvielfalt wieder hergestellt werden. Jeweils ein Dutzend Isländerpferde und Rinder weiden in der «nassen» Heide, um Gras und Baumschößlinge kurz zu halten. Ihnen assistieren auf der «trockenen» Heide Schafe als Rasenmäher.

Das Ergebnis, so vorläufig es sein mag, kann sich sehen lassen und wurde mit der Anerkennung als europäisches Habitat honoriert. Im Naturpark rasten Kranich und Graugans. 40 Arten Libellen tummeln sich an den Teichen, es gibt seltene Orchideen, Wasserlilien oder Sonnentau. Eidechsen leben dort, ebenso Schlangen wie Kreuzottern und Nattern. Viele Wildarten sind im Wald zu finden, außerdem jagen hier Habicht und Bussard, Ziegenmelker, Falken, Eisvögel oder Spechte.

800 000 Menschen pro Jahr nutzen die markierten Routen, die Robbert Ouwerkerk und seine Kollegen ausgearbeitet haben. Ein Besucherzentrum liefert die passenden Informationen und bietet Getränke und Speisen. 40 Prozent der Besucher am Meinweg kommen aus Deutschland. Robbert Ouwerkerk hat darunter noch keine Verkehrspolitiker gesichtet.

Jürgen Knepper, 03.08.2000 14:39

 
 
 
 .