WZ-Online, Willich/Tönisvorst, 08.04.2000:
Eiserner Rhein irritiert Bürger
Von Bianca Treffer (Text) und Friedhelm Reimann (Foto)
Niederheide. Der Eiserne Rhein wird kommen, aber wo?
Städte und Gemeinden, die entlang möglicher Routen liegen
könnten, sorgen sich. So auch Niederheide. Dort hatte jetzt
die Bürgerinitiative "Niederheide gegen den Eisernen Rhein"
zu einem Informationsabend eingeladen: Um besorgte Bürger
unter anderem durch Ulrich Stegmann, Landesverkehrsplaner
des Verkehrsministeriums NRW, zu informieren. Auf
deutscher Seite schwirren im Kreis Begriffe wie das
Neersener Kreuz, die Viersener Kurve und das Kempener
Dreieck durch den Raum.
           Derzeit sähe die Lage so aus, dass in den
           Niederlanden acht verschiedene Trassen in Betracht
           gezogen würden, berichtete Werner Reh vom
           Arbeitskreis Verkehr BUND NRW. In Deutschland sei
           es so, dass die eigentliche historische Trasse die
           am problematischsten zu realisieende sei und zwar
           auf Grund der nahen Bebauung. Trotzdem würde der
Eiserne Rhein in einer Form kommen, da das Bundesministerium
ihn befürworte.
Ulrich Stegmann betonte, dass momentan keine Entscheidungen für
Trassenverläufe getroffen werden könnten, weil erst die
Entscheidung von der niederländischen Seite abgewartet werden
müsste. Vor 2002 ist vom Nachbarland keine Entscheidung zu
erwarten. Dennoch sorgt sich die Bürgerinitiative. Beim Ausbau des
so genannten Neersener Kreuzes wären die Stadtteile Niederheide,
Wekeln und Alt-Willich betroffen. Die Variante Viersener Kurve
würde Anrath in Mitleidenschaft ziehen.
"Wir sind dafür, den Güterverkehr auf die Schiene zu bringen. Nur
wünschen wir uns eine sinnvolle Planung, und die ist nicht gegeben,
wenn Trassen durch oder entlang Wohngebiete führen", meinte
Andreas Ullmann, Mitglied der Initiative. Von Seiten der Politik wird
derzeit die Strecke entlang der A 40 favorisiert. Das bei dieser
Variante betroffene Kempen soll durch eine Schienenführung, die im
Bogen um die Stadt herum statt mittendurch führt, entlastet werden.
Auf das Gutachten, das der Kreis in Sachen Eiserner Rhein in
Auftrag gegeben hat, verwies die Technische Beigeordnete der
Stadt, Martina Stall. "Wenn Ende des Jahres das Gutachten vorliegt,
können wir Beschlüsse fassen."
Auch wenn angeblich in Deutschland erst 2002 über die
Trassenführung diskutiert wird die Bürgerinitiative bleibt am Ball.
"Wir haben eine Anregung an die Stadt Willich geschickt und werden
bei der Ratssitzung am 11. Mai anwesend sein."
Bild: Die bange Frage: Wo entlang sollen Gleise der neuen Strecke
führen?