Pressemeldung Nr. 1 v. 12. Januar 2000
 

IHK zur Startnotiz "Eiserner Rhein":
Nicht nur Umwelt wichtig, auch Wirtschaftlichkeit zählt
 

Wenn Güter wieder über die historische Trasse des "Eisernen Rheins" von Antwerpen ins Rhein-Ruhrgebiet transportiert werden sollen, dann dürfen bei der Abwägung von Vor- und Nachteilen nicht allein Umweltaspekte im Vordergrund stehen; vielmehr kommt es nach Ansicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein darauf an, die volks- bzw. betriebswirtschaftlichen Aspekte zu untersuchen. Dies vermisst sie in der kürzlich veröffentlichten "Startnotiz", mit der die niederländischen Straßen- und Wasserbaubehörden und Eisenbahn das Verfahren eröffneten.

Über den "Eisernen Rhein" rollten zwischen 1879 und 1991 Güter zwischen Belgien und Deutschland. Seitdem werden Teile der Strecke nicht mehr genutzt, vor allem der Abschnitt zwischen Roermond und Dalheim. Vor allem in den Niederlanden ist die Wiedernutzung dieses Teilstücks umstritten, da es im inzwischen zum Naturschutzgebiet erklärten "Meinweg" liegt. Deshalb werden von den Niederländern immer wieder Varianten eine Trassenführung über Venlo vorgeschlagen.

Die IHK macht darauf aufmerksam, dass die historische Trasse des "Eisernen Rheins" Bestandteil des Systems der "Transeuropäischen Netze" ist, das von allen Staaten der EU einvernehmlich verabschiedet worden sei. Nur hier könne auch eine preiswerte und vor allem zeitgünstige Alternative zum Gütertransport auf der Straße aufgebaut werden.

Überlegungen, den "Eisernen Rhein" über Venlo ins Rhein-Ruhrgebiet zu führen, scheitern vorläufig am Fehlen der "Viersener Kurve", da Güterzüge in Viersen "Kopf machen" müssen, sollen sie weiter Richtung Krefeld/Duisburg rollen (bei einem Ziel Neuss wäre dies in Mönchengladbach nötig). Gegenwärtig werden Realisierung, Wirtschaftlichkeit und Struktureffekte einer "Viersener Kurve" in einem Gutachten der Euregio Rhein-Maas-Nord untersucht. Mit einem Bau sei, so die IHK, "bei vorsichtiger Prognose, wenn überhaupt, nur mittelfristig zu rechnen"; darunter werden 8 bis 10 Jahre verstanden.

Nach Auffassung der IHK kommt es bei einem "Eisernen Rhein" über Venlo ohne die "Viersener Kurve" zu einem Bruch der Transportkette an der niederländisch/deutschen Grenze. IHK-Verkehrsexperte Bernd Neffgen: "Dann würde wahrscheinlich wieder auf Lkw umgeladen." Zudem gehe beim "Kopf machen" in Viersen viel Zeit verloren, so dass Kostenvorteile der kürzeren Verbindung nicht mehr gegeben seien. So sei das ganze Projekt gefährdet. Für Neffgen gilt daher: "Einen ‚Eisernen Rhein' kann es schnell und günstig nur über die historische Trasse geben."