Rheinische Post, Krefeld, Online, 13.01.2001:
Der selbe Journalist, der einen Tag zuvor Gelegenheit bot, den Krefelder Oberbürgermeister möglicherweise doch als geläutert in Sachen Eiserner Rhein, Lärm und Gesundheit zu verstehen, gibt heute in einem "Kommentar" an, Herr Pützhofen habe sich an die Spitze der Bewegung der Befürworter der historischen Trasse gestellt.
Er meint, die vielen spitzfindigen Zitate seines gestrigen Artikels jetzt einseitig interpretieren zu müssen.
Allerdings geht er heute wiederholt davon aus, der Eiserne Rhein brächte in der historischen Variante Sinnvolles für das Gemeinwohl.

Also Achtung, liebe Leserinnen und Leser: Einflussreiche Krefelderinnen und Krefelder wollen die historische Trasse keineswegs "kippen". Das unklare Engagement des Krefelder Oberbürgermeisters lässt ihnen genug Spielraum, ihn geradezu als Befürworter für die Durchfahrt durch die Orte zu bezeichnen.



Meinung
 

Fröhlicher Wecker

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(RP). Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Das weiß schon der Volksmund. Manchmal lädt er sich auch mit Energie auf. Daran dürfen sich Dieter Pützhofens Mitarbeiter in dieser Woche wieder einmal erinnern. Denn der OB sprintete aus dem Fuerteventura-Urlaub voller Tatendrang ins Büro. Kaum hatte sich die Rathaus-Belegschaft so richtig im neuen Jahr zurechtgefunden, da war ihr braungebrannter Chef schon in die Zukunft aufgebrochen. Er hat das alte und ewig neue Thema des Eisernen Rheins für sich und für Krefeld entdeckt.

Der Entdecker wird dadurch zunächst nicht überall Anhänger finden. Denn Pützhofen hat sich lautstark an die Spitze der Befürworter gestellt. Vor allem im befreundeten Umland, namentlich in Wegberg, wo die Gegner der Bahnstrecke von der Nordsee ins Ruhrgebiet längst auf den Barrikaden stehen, wird Krefelds Verwaltungschef in nächster Zeit nicht unbedingt dankbar ins Nachtgebet eingeschlossen.

Trotzdem hat er in der Sache Recht. Denn die Wiederbelebung des Eisernen Rheins kommt ebenso sicher wie der Euro oder der nächste Rosenmontag. Und wenn schon bald die Güterzüge rollen, dann ist es nur legitim, dass Gemeinden am Rande der Strecke zart auf ihr Recht pochen, ein bisschen vom Güterkuchen abzubekommen.

Es wurde höchste Zeit, darauf hinzuweisen. Schließlich konnten sich auch schon im vergangenen Jahr selbst vergleichsweise fantasielose Zeitgenossen leicht vorstellen, was die guten Nachbarn an der Nordseeküste planen. Nun ist die Region in der Pflicht, die vielzitierten Pflöcke für ihre wirtschaftliche Zukunft einzuschlagen. Denn es geht um viel Geld. Pützhofens fröhlicher Weckruf zum neuen Jahrhundert kommt da gerade recht. Jetzt hat die Wirtschaft das Wort.

ROBERT PETERS