Rheinische Post Online, Erkelenz, 15.04.2000:
Als in Wegberg Stadtentwicklungsplanung begann
Strecke Dalheim für den Güterverkehr ungeeignet

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WEGBERG (RP). Der Vertrauensschutz (Staatsminister SPD-MdB Dr. Christoph Zöpel am 30. März) spielt bei Debatten über den "Eisernen Rhein" - mit Blick auf die Wohngebiete entlang der Strecke - stets eine große Rolle. Deshalb wollte die SPD-Fraktion am Donnerstagabend im Rat wissen, ob es eine schriftliche Mitteilung der früheren Bundesbahn gebe, wonach Güterverkehr auf der Strecke ausgeschlossen wird.

Dazu zitierte Bürgermeisterin Hedwig Klein aus einem Schreiben der Bundesbahn von 1974 zum Güterverkehr - als man mit der Stadtentwicklungsplanung (daraus leiteten sich die Bebaungspläne an der Strecke ab) begann:

Die belgischen, niederländischen und deutschen Eisenbahnverwaltungen müssen den grenzüberschreitenden Verkehr zur Erhaltung ihrer Konkurrenzfähigkeit gegenüber Güterkraftverkehr und Binnenschifffahrt und zugleich in eigenwirtschaftlichem Interesse auf leistungsfähige grenznahe Rangierbahnhöfe konzentrieren.

Es sind dies im deutsch-belgischen Verkehr die Bahnhöfe Aachen-West und Montzen sowie im deutsch-niederländischen Verkehr die Bahnhöfe Kaldenkirchen und Venlo mit jeweils 90 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens.

Der Übergang Dalheim-Roermond eignet sich zudem wegen eingleisiger Streckenführung, fehlender Elektrifizierung, erhöhter Traktionskosten wegen mehrmaliger Umspannung der Züge, unterbrochenen Streckendienstes, unzureichender Gleisanlagen in Dalheim und Roermond, zu geringer Streckengeschwindigkeit nicht für einen Direktverkehr von der Ruhr nach Antwerpen, obwohl dieser Weg die entfernungsmäßig kürzeste Verbindung darstellen würde.
 
 

Wie Frau Klein hinzufügte, habe die Bahn anschließend genau diese Zielsetzung über 25 Jahre beibehalten und die im grenzüberschreitenden Güterverkehr letztlich noch verbliebenen zwei Züge folgerichtig Anfang der 90er Jahre eingestellt. Sie wies ferner darauf hin, dass die Bahn nie eine anders lautende Absicht geäußert habe - auch nicht, als sie zu den geplanten Wohngebieten "bis in die unmittelbare Nähe des Gleiskörpers" angehört wurde.

Daraus habe man schließen müssen, "dass die Bahn auch selbst nicht von einer Wiederinbetriebnahme der Strecke für Güterverkehr ausgegangen ist". Sonst hätte sie sicherlich Bedenken erhoben, "um eine eventuell spätere Übernahme von Kosten auszuschließen, die auf sie spätestens dann zukommen kann, wenn sie diese Strecke ausbaut".

Keine rechtliche Möglichkeit

Von einem Gespräch mit Staatssekretär Hennerkes im NRW-Verkehrsministerium kurz vor der Sitzung berichtete Hedwig Klein, dass er Verständnis für die Sorgen in Wegberg habe und sich davon vor der Sommerpause ein Bild machen wolle. Er habe aber unterstrichen, dass Wegberg keine rechtliche Möglichkeit habe, eine provisorische Öffnung der Strecke zu verhindern - im Übrigen hänge die Öffnung von der Umweltverträglichkeitsprüfung der Niederländer ab.

Von FOLKMAR PIETSCH