Kommentar: Die nachfolgende Berichterstattung ist nicht ohne Tendenz. Sie würde sich für den Deutschunterricht gut eignen, wenn es mal wieder darum geht, unterschwellige Kommentierung in angeblichen Berichten zu suchen.


Rheinische Post, Krefeld, 30.06. 2000

St. Florian

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(RP). Eine hitzige Debatte löste das Thema "Eiserner Rhein" - die geplante Güterverkehrs-Bahnstrecke zwischen den Häfen Antwerpen und Rotterdam über Krefeld ins Rhein-/Ruhrgebiet - jetzt im Rat der Nachbarstadt Kempen aus. Eine von Venlo aktuell ins Gespräch gebrachte Trasse könnte entlang der Autobahn A 40 über den Kempener Norden weiter nach Krefeld führen.

In einer einmütig gebilligten Resolution protestiert die Stadt zunächst einmal dagegen, in den Planungsprozess bisher nicht einbezogen zu sein. Der Kempener Stadtrat dann aber grundsätzlich: Diese Trasse möglichst überhaupt nicht. Bliebe die über Viersen und Willich - wogegen sich wiederum diese beiden Städte wehren. St. Florian lässt grüßen.
 
 
 
 



Westdeutsche Zeitung, 30.06.00

Kempen/Grefrath/Nettetal
 "Sie machen die Leute rebellisch"
 

Kempen. Obwohl noch kein Planer einen einzigen Strich am Reißbrett gemacht hat, diskutierte der Kempener Stadtrat am Dienstagabend hitzig über ein Schreckgespenst. Das ist unlängst von Venlo nach Kempen gekommen und besagt, dass eine Güter-Eisenbahntrasse von den Seehäfen Rotterdam/Antwerpen via Venlo entlang der A 40 mitten durch die Thomasstadt führt, um dann Anschluss über Krefeld ans Ruhrgebiet zu haben.

"Ihr Herr Nötting sollte nicht so undifferenziert eine Trasse entlang der A 40 gutheißen", trat Rudi Alsdorf (CDU) mit Blick auf ein kürzlich gehaltenes Referat des SPD-Kreistags-Fraktionschefs die Debatte los. Werde dies Wirklichkeit, seien die beiden Siedlungsgebiete Hoerenbroich und Wartsberg negativ betroffen, so Alsdorf.
 
 

"Wenn überhaupt einmal das Modell entlang der A 40 Wirklichkeit werden sollte, dann sind wir für die nördliche Variante über Neukirchen-Vluyner Gebiet", meinte Udo Schiefner (SPD) zu dem Vorwurf. Was wiederum Karola Vogel (CDU) auf die Palme brachte: "Das ist St. Floriansprinzip in übelster Form, sie wollen das Problem abwälzen." Worauf Schiefner wiederum mit Blick auf die Union meinte, man rede über "ungelegte Eier" und würde nur die Bürger rebellisch machen. Bürgermeister Karl Hensel, CDU, ("Wo keine Trasse, da ist auch keine Entwicklung") und der Grüne Michael Sperlich ("Wir sollten überlegen, was könnte so eine Trasse für Kempen bringen?") sahen immerhin einen positiven Ansatz, während Udo Kadagies (FDP) abwinkte: "Keine unnötigen Warenströme durch Kempen."