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Wird der Ort zweigeteilt?
 
Bezirksvertretung Rheindahlen: Etat-Entwurf und Eiserner Rhein

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Immer wenn der Kämmerer kommt, fühlt sich Richard Ahrendt, CDU-Fraktionssprecher in Rheindahlen, an den alten Pfarrer in Hehn erinnert. Der eine habe jedes Jahr die gleiche Weihnachtspredigt gebracht, beim anderen höre man ständig Wiederholungen vom Klagelied über die kommunale Finanzausstattung. "Irgendwie haben wir uns daran gewöhnt."

Trotz knapper Kassen - ein kleiner politischer Handlungsspielraum muss bleiben, fanden die Bezirksvertreter, und so einigten sie sich auf einen Rheindahlener Zusatz-Wunschzettel. Beispiele: Für das Haus Dahlen soll auf SPD-Anregung ein besserer Anreiz zur Vermietung für Veranstaltungen geschaffen werden. Deshalb sollen nicht nur die Posten für kleinere Reparaturen und Reinigung wieder etwas angehoben, sondern auch 140 000 Mark für die Sanierung der Toilettenanlagen im Vermögenshaushalt aufgenommen werden. Die Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses, der Umbau der Einmündung Erkelenzer Straße und der Bau einer neuen Leichenhalle auf dem Friedhof in Holt (2003/2004) gehören ebenfalls zu den Anliegen der Bezirksvertreter.

In der Nachbarstadt Wegberg hat er viele Bürger auf die Barrikaden gebracht, in Rheindahlen herrscht noch Ruhe. Und das, obwohl beide Orte gleichermaßen betroffen sind. Die Rede ist vom Eisernen Rhein, die Zugstrecke von Antwerpen via Roermond und Mönchengladbach nach Duisburg. Bezirksvorsteher Hermann Spinnen hatte das Thema auf die Tagesordnung gesetzt und ein Flugblatt der Wegberger Bürgerinitiative mitgebracht. Mehrere Streckenführungen stehen zur Disposition. "Die schnellste Strecke würde Rheindahlen zweiteilen", sagte Spinnen. Gerechnet wird mit 30 bis 36 Güterzügen pro Tag. Bahnschranken würden sich laut Ahrendt alle 24 Minuten am Tag und alle 48 Minuten in der Nacht schließen. Und das vielleicht schon ab 2001. "Was mag das nur für einen Rückstau in unserem Ortsteil geben?"

Horrorszenario oder Chance? Den Bezirksvertretern ist durchaus bewusst, dass der Anschluss Rheindahlens auch positive Signale für die Wirtschaftskraft bringen kann. Dennoch, so die einhellige Meinung, wenn der Eiserne Rhein kommt, dann muss die Situation für die Bürger verträglich sein. Von der Verwaltung wurde ein Sachstandsbericht eingefordert.

Schon vor den Sommerferien soll es erste Ergebnisse zum städtebaulichen Wettbewerb Mühlentorplatz geben. Für die Wettbewerbs-Ausschreibung wurde ein Sponsor gefunden, die Vorbereitungen laufen.