Studie für Bahn-Neubau über Kempen nach Krefeld
                             Eiserner Rhein "Doppelbeschluss"

                             KREIS VIERSEN. Die Stadt Venlo will mit dem
                             NRW-Verkehrsministerium den Neubau einer Bahnstrecke
                             entlang der Autobahn 40 (Venlo-Duisburg) und vorbei an
                             Kempen nach Krefeld untersuchen lassen. Käme die
                             Strecke zustande, wären Diskussionen über die "Viersener
                             Kurve" oder das "Neersener Kreuz" überflüssig. Venlos
                             Raumordnungs-Dezernent Paul Stelder sagte gestern der
                             RP, eine solche Neubaustrecke könnte in zwanzig Jahren in
                             Betrieb gehen. Im Düsseldorfer Ministerium gab es gestern
                             niemanden, der dies bestätigte.

                             Die Pläne für die A 40 seien gerade erst von der Bezirksregierung
                             zurückgewiesen worden und es sei kaum vorstellbar, dass nun eine
                             solche Studie unterstützt wird. Die Beratungen der
                             Verkehrsminister Netelenbosch (Niederlande), Schwanhold (NRW)
                             und Durant (Belgien) zum "Eisernen Rhein", der
                             Güterverkehrsstrecke zwischen Antwerpen und dem
                             Rhein-Ruhr-Gebiet, gehen nach Stelders Angaben in die Endphase.
                             Ministerin Netelenbosch hat einer Art Doppelbeschluss
                             herbeigeführt: sie öffnet, strikt begrenzt bis 2008, die historische
                             Trasse über Roermond/Wegberg, danach muss eine dauerhafte
                             Lösung über Venlo führen. Wie die Zeit ab 2008 überbrückt werden
                             soll, bleibt zunächst unklar. In Wegberg wächst die Furcht, dass die
                             Öffnung der alten Trasse über 2008 hinaus Bestand haben wird.
                             Paul Stelder kann sich vorstellen, dass bis dahin die heutige Route
                             von Antwerpen über Montzen/Aachen nach Duisburg weiter
                             betrieben wird.

                             Ob die alte Meinwegtrasse überhaupt geöffnet werden kann, ist
                             ungewiss. Auf Anfrage der niederländischen Grünen unterstrich die
                             Europäischen Union, dass geltende FFH-Richtlinien am Meinweg
                             strikt eingehalten werden müssen. Dies berichtete vor dem Kreistag
                             am Donnerstag Friedhelm Werner (Grüne). Rechtskundige
                             Beobachter sind sicher, dass eine Klage auf Einhaltung dieser
                             EU-weit verbindlichen Naturschutz-Richtlinie die Öffnung der
                             Strecke verhindern kann. In Roermond hätte man gegen die alte
                             Trasse nichts, wenn sie die Stadt umginge. Hier gibt es Befürworter
                             der nördlichen Schleife: Sie führt bei Elmpt über die Grenze und
                             vom Flughafen auf dem Militärgleis nach Arsbeck/Wegberg.
                             Dagegen regt sich Widerstand: Zum unausweichlichen Ausbau
                             dieser zeitweilig sogar vom BUND favorisierten Trasse müssten
                             große Waldflächen abgeholzt werden. Im übrigen wird angezweifelt,
                             dass die Briten überhaupt ihre Zustimmung zum Durchqueren ihres
                             Militärgeländes geben.

                             In der Venloer Ratskommission suchte Beigeordneter Stelder am
                             Mittwoch Ängste zu zerstreuen, dass die alte Meinwegtrasse auf
                             Druck der Deutschen vollständig und für die Zukunft reaktiviert
                             wird. "Im nordrhein-westfälischen Verkehrsministerium wächst die
                             Einsicht für andere, nachhaltige Lösungen der transeuropäischen
                             Netzwerke", sagte Stelder.

                             Bahn aus Venlo verbannen

                             Gegenüber der RP bestätigte er, dass Venlo das Interesse an der
                             vorhandenen Strecke über Kaldenkirchen und Viersen mehr oder
                             weniger verloren hat. Der Güterverkehr auf der Bahn soll aus der
                             Innenstadt verbannt werden und über den Trade Port Nord nach
                             Deutschland führen. Damit nähme Venlo den Druck von Viersen
                             und Willich, wo alternativ die bahntechnischen Voraussetzungen für
                             den Güterverkehr erst geschaffen werden müssten - zu Lasten der
                             Bevölkerung.

                             Die Neubau-Studie soll aus Mitteln des schon ab 2001 gültigen
                             Interreg III-Programmes der EU finanziert werden, sagte Stelder.
                             Aber genau davon wusste in Düsseldorf gestern niemand etwas.